Mittwoch, 28. März 2012

»«.Wahrheitskopie.



»«. Erzähl mir ein Lied.

Ich versuche es. Ehrlich zu sein, die Wahrheit zu sagen. Ich möchte mein Bewusstsein ausbreiten, es in deine, eure Hände legen. Gerne will ich sehen, wie ihr die Blüten bewundert, die aus den verworrenen Zweigen sprießen und ihre Farben entfalten. Auch die abgestorbenen Blätter, die staubigen Töne und den reißenden Wind möchte ich euch nicht vorenthalten. Der Baum soll sprießen und in die Höhe wachsen. Ihr sollt mich sehen, sollt verstehen, dennoch...
Dennoch weiß ich nicht, wie. Ich möchte die Wahrheit sagen, die in meinem Inneren lebt und heranwächst, doch alles, was mich schließlich verletzt, sind Kopien einer Wirklichkeit, die einst existiert hatte. Nicht meine, nicht deine. Irgendeine, die mir passend erscheint. Ich lege sie wie eine Pfefferminzpastille auf meine Zunge und warte, bis sie über meine Lippen perlt und an euch abprallt. Euer Lachen begleitet mich und lässt mich weitere Lügen, weitere Kopien spinnen, ohne dass ihr den blühenden Baum sehen könnt, der eigentlich dort ist. 

Dienstag, 20. März 2012

»«.Ein Echo.






»Lass ihn gehen, hallte es in meinem Kopf nach. Das Echo der Grausamkeit getragen durch die dunklen Schluchten meiner Seele.« 

Montag, 19. März 2012

»«. Kaskaden.

»«.Seelenfunken.


»da ist diese Gewissheit,
die ein Schatten gleich
mein Herz verhüllt
obwohl ich die Wahrheit weiß.«

Dienstag, 13. März 2012

»«.Kreativitätsschub.


»«. Ich nickte, denn ich verstand. Natürlich gaben sie mir die Schuld. Irgendjemanden mussten sie für die Grausamkeit, die ihnen widerfahren war, bestrafen und ich war nun einmal das nächst liegende Opfer. Das Problem war bloß: auch mir war Schreckliches angetan worden. Wer sollte dafür büßen?



Montag, 5. März 2012

»«.Geheimnis.


Schleichend zieht es sich durch meinen Körper.
Quälend langsam beginnt es als Kribbeln in den Spitzen meiner Finger.
Kriechend verteilt es sich heiß in meinem Bauch.
Flüsternd entfernt es sich und nähert sich den Ohren.

»Ich liebe dich«

Ich kann dich Fühlen.
Du wirst mir begegnen.
Uns steht nichts entgegen.
Wir können hören.




nach langer Zeit mal wieder Gedichte geschrieben. Seltsam.


Sonntag, 4. März 2012

»«.Shame. [Rezension]



Endlich komme ich dazu, von diesem wundervollen Film zu berichten, den ich mir letzten Donnerstag ansehen durfte. Erst einmal war ich schockiert, dass zu der Premiere dieses Films nur zehn Leute im Kino saßen [mich und ne Freundin mit eingeschlossen]. Ich hoffe, dass das nur an der frühen Uhrzeit lag, denn wer diesen Film von Steve McQueen [nein, nicht der Schauspieler!] nicht gesehen hat, hat was verpasst. Definitiv. 

 Es geht um einen sexsüchtigen Business man Brandon [Michael Fassbender], der allein in einer eher karg und steril eingerichteten Wohnung lebt und stets von seinen Trieben geleitet wird, die anschließend nach ihrer Befriedigung zu einer Art Selbsthass und Scham seinerseits führen. Er versucht in der Zeitspanne, die der Film umfasst, eine Beziehung aufzubauen, die auf Gefühlen basiert, doch es gelingt ihm nicht. Die Ankunft seiner Schwester Sissy [Carey Mulligan], die scheinbar das komplette Gegenteil von ihm darstellt, lässt ihn noch weiter schwanken und bringt ihn an den Rand eines Abgrunds. Doch auch für sie scheint das Leben nicht einfach zu sein. Je weiter Brandon sich von seinen Gefühlen distanziert, desto weiter nähert sich Sissy sich ihnen an und wird von ihrer Gewalt fast verschlungen. 

 Schauspielerisch ist der Film brillant. Fassbender, der den labilen Sexsüchtigen spielt, der vor nichts scheut seinen Trieben Befriedigung zu verschaffen - von Sexspielzeugen aus China, über gewisse Damen im Internet bis zu Prostituierte beiden Geschlechts, schafft diesen Charakter bis ins kleinste Detail. Der Zuschauer erkennt in nur einem Blick auf die Miene den inneren Kampf des Protagonisten. Er ist gefangen zwischen seiner Sucht nach Sex, die wohl auch durch eine beliebig andere Substanz ausgetauscht werden könnte, wie man in der Sequenz sieht, in der Brandon nach Drogen greift -und seinem Hass auf sich selbst. Die Szene, in der er auf die Männertoilette flüchtet, eine Hand gegen die Wand presst und sich selbst Befriedigung verschafft, scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich tragisch. Doch man sieht genauer hin - die Kamera bewegt sich nicht, blickt über Fassbenders Schulter und lässt den Zuschauer die spürbare Anspannung in den Schultern des Protagonisten erkennen. Es scheint kein Vergnügen zu sein, ein Zwang wohl eher. 
Mulligan zeichnet hingegen die Darstellung der Schwester, die sich an ihren Bruder klammert, ihm gegenüber keinerlei Scham empfindet und auch ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Sie kanalisiert nicht, stoppt nicht - hält nichts zurück. Sie lernt Brandons Boss und scheinbar einzigen Freund kennen und schläft zwanzig Minuten später mit ihm im Bett ihres Bruders. Anschließend ist sie fast außer sich, verzweifelt, dass jener sich nicht zurückmeldet, obwohl sie weiß, dass er verheiratet und eine Familie hat. Brandon macht ihr Verhalten wahnsinnig. Durch lange Szenen, die keine Unterbrechung finden, eine Kamera die weiter und weiter und immer weiter auf das Geschehen richtet, erkennt der Zuschauer die Spannungen in der Beziehung der Geschwister, aber auch die Selbstverständlichkeit und Anziehung. 

In einer nahezu zweiminütigen Sequenz, in der die Kamera ausschließlich im close-up auf Mulligans Gesicht gerichtet ist, während sie Frank Sinatra's New York singt - geht alles mögliche in einem selbst vor. Man spürt ihre Zerbrechlichkeit, ihre gefühlvolle Art. Fast genauso lang wird die Kamera während ihres Auftritts auf Brandon gerichtet, dem die verschiedensten Gefühle ins Gesicht geschrieben steht - der Höhepunkt: aus seinem inneren Konflikt entflieht ihm eine einzelne Träne, die sich aus dem Augenwinkel stiehlt und die Wange hinabrinnt. Man ist gefangen. 

 Steve McQueen hat ein Kunstwerk erschaffen, das nicht dem klassischen Hollywoodrepertoire entspringt [Gott sei Dank!]. Es ist von Gefühlen gespickt, die die verschiedensten Emotionen in dem Zuschauer auslösen und ihn dazu veranlassen, selbst Scham zu empfinden, nicht nur für einen selbst, sondern auch für den Protagonisten, der nur ein Sklave seiner Triebe zu sein scheint. Bravo! Ein grandioser Start in das Kinojahr 2012. Besser kann man es gar nicht machen.


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